Das ist en vogue!
EXZELLENZ BEWEISEN - GEFÜHLE WECKEN - MARKEN STÄRKENZeitgeist der Saison
Unsere Welt wandelt sich in ihren Grundfesten. Neue digitale Technologien und Geräte sind eines der wichtigsten Merkmale dieses Wandels – und gleichzeitig Voraussetzung für viele weitere Entwicklungen. Kommunikation, Produktion, Prozesse und Warenströme rund um die Welt werden digital gesteuert, kontrolliert, „in Echtzeit“ sichtbar gemacht, Produkte auf den Markt gebracht. Von privaten Kontakten bis zu diplomatischen Geheimverhandlungen: Sicherheiten, dass alles „unter Verschluss“ bleibt, gibt es nicht mehr, irgendetwas sickert immer durch, und sei es bei Wikileaks. Die Menschheit ist so „vernetzt“ und gläsern wie nie. Permanent online zu sein ist für viele Konsumenten heute ganz selbstverständlich. Sie nutzen ihr Smartphone zum Beispiel, um zu schauen, wo ein Produkt günstiger ist. Alles wird erkennbar, man sollte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Markt haben. Das Internet bietet aber auch Schnelligkeit der Information. Große Marken investieren stark in ihren Web-Auftritt, bieten Liveshows im Internet, auch Order innerhalb weniger Tage ist möglich – und Lieferung innerhalb von 6-8 Wochen. Und schließlich wird im Internet permanent über alles geredet. Blogs sind für viele Firmen heute schon der erste Schritt in der Kollektionsentwicklung. Interessanter noch sind die Trends von Kunden, von Verbrauchern. Auf Websites wie stylefruits oder shopstyle ist zu sehen, wie Looks kreiert werden – mit Produkten, Farbflächen, Accessoires, dekorativer Kosmetik, Models. Jeder bastelt sich selbst seinen Trend, veröffentlicht ihn, er wird diskutiert und kommentiert. Der Einfluss solcher Möglichkeiten auf den Markt ist noch gar nicht abzusehen, die Entwicklung aber verläuft rasant.
Gleichzeitig hat unsere branche aber auch ganz existentielle Probleme zu bewältigen. Seit Monaten macht der Höhenflug der Baumwollpreise Schlagzeilen – ausgerechnet bei der weltweit wichtigsten Naturfaser, von der jährlich 25 Millionen Tonnen produziert werden. Ernteausfälle, höhere Verbrauchsprognosen und das indische Exportverbot für Baumwolle trieben die Preise an den Warenterminbörsen in die Höhe. Das weiße Gold wird knapp. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und steigender Einkommen in den großen Schwellenländern wächst der Weltfaserverbrauch rasant, allein 2009 um über 4 Prozent auf insgesamt 70,5 Millionen Tonnen. Bis 2050 dürfte er sich mindestens verdreifachen. Um den Baumwollanteil am Fasereinsatz konstant zu halten, müsste der jährliche Ertrag bis 2020 um 13 Millionen Tonnen ausgeweitet werden. Doch die Anbauflächen sind begrenzt. Baumwolle braucht viel Wasser und gedeiht nicht überall. Sie muss mit anderen Nutzpflanzen konkurrieren, vor allem mit denen zur Nahrungsmittelversorgung: Mitte dieses Jahres werden 7 Milliarden Menschen auf der Erde leben.
Die Reaktion nicht weniger Konsumenten ist der Versuch eines neuen Lebensstils. Sie machen sich Gedanken darüber und wollen wissen, wo und wie ihre Nahrungsmittel entstehen und was darin ist, wie ihr Strom erzeugt und ihr Abfall entsorgt wird, was in ihren Tank fließt und in ihrer Kosmetik wirkt. Sie wählen sorgsam aus, welchen Umgang sie pflegen und auf welche Schule die Kinder gehen. Logischerweise bestehen sie auch immer öfter darauf, die textile Kette zu kennen, der ihre Kleidung entspringt und gehen überhaupt bewusster und sorgfältiger mit Mode um. Die Durchlässigkeit der modernen Kommunikationsgesellschaft macht es möglich, auch nach ethischen Gesichtspunkten zu entscheiden, was und wie man konsumieren will. „Vertrauen ist das einzige Mittel, um mit der Komplexität des Überflusses umzugehen, sich zurecht zu finden. Daher rührt das Vertrauen in Marken“, mein Michael Werner von der TEXTILWIRTSCHAFT. Marken versprechen aber nicht nur verlässliche Qualität, sondern auch emotionalen Mehrwert. Emotionen aber sind es, die heute zum Kaufen anregen – und zum Bewahren.
Noch ist die Diskussion darüber ganz am Anfang, was der in diesem Zusammenhang oft verwendete Begriff „Nachhaltigkeit“ bedeutet. Diese Dinge gehören sicher dazu: das Leben insgesamt ein wenig langsamer angehen. Echte Nähe suchen, Familie und Freunde schätzen, Wir-Gefühl und Sympathie statt egomaner Coolness pflegen. Reale Normalität ist wichtiger als Utopien. Haltung und Halt – ob durch Vorbilder wie den neuerdings wieder von den Medien gefeierten Adel oder durch die Verwendung klassischer Elemente, ironisch und sexy gebrochen. Vor allem aber gilt: Statt jedem kurzfristigen Trend hinterher zu eilen, lebt man lieber eine „unaufgeregte Kontinuität“, konstatiert Jeroen van Rooijen vom DMI bei diesen. „Deshalb empfindet man die relativ wenig sprunghafte Evolution der modischen Vorschläge, die wir nun seit zweieinhalb Jahren sehen, nicht als kreativen Mangel, sondern als durchaus wohltuende Konstante“, so van Rooijen. „Vielleicht haben wir nach gut 50 Jahren der ungestümen Trendentwicklung und des Prinzips immer neu! Nun ein Zeitalter betreten, in dem es nicht mehr primär um ästhetische Revolution, sondern um Evolution geht. In dem wir das bekannte modische Repertoire als gewachsene Grundlage unserer Kultur und Kommunikation erkennen und nicht per se nach sechs Monaten forthaben, sondern pflegen wollen.“ Um diese Entwicklung nicht in einen verstaubten, rückwärts gerichteten Konservatismus abgleiten zu lassen, sieht van Rooijen die Branche genötigt, mit nur zwei Beinen einen Spagat in drei Richtungen zu machen:
- Sich selbst treu bleiben und seine Kernwerte definieren. Ideen sind wichtiger als Image. Man wird an der Fähigkeit gemessen, die Wünsche der kritischen Endkonsumenten genauso zu verstehen wie die des selektiv einkaufenden Handels.
- Den unternehmerischen Erfolg mit langfristigen Strategien gegen immer häufiger auftretende kurzfristige Erschütterungen absichern. Dazu dienen Qualität in den gestalterischen Prozessen, der Fertigung und des Service sowie Exzellenz im Produkt und menschliche Kompetenz.
- Doch stets wieder auch Neues und Unerwartetes wagen, um mit unternehmerischen und kommunikativen Ideen die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Aufmerksamkeit ist ein immaterielles Kapital, das es geschickt auszunutzen und zu vermehren gilt.
Was brauchen die Kundinnen und Kunden? Ihre Schränke sind voll, sie sind wählerisch, sie wollen verführt werden. Mode muss mehr denn je die Käuferinnen und Käufer vom Hocker reißen – je nach Positionierung des Geschäftes durch Essentials und Key Elements, aber auch durch außergewöhnliche Stücke, mit denen eine vorhandene Garderobe aufblühen kann.
- Kompromisslos gute Qualität versteht sich in allen Preiskategorien von selbst.
- Eine neue Klassik kommt – elegant und perfekt. Sie wird die allgegenwärtige Casualwear etwas korrigieren und spannende Brüche erzeugen. Coordinates haben wieder eine Zukunft.
- Der neue Look ist aufgeräumt. Nicht mehr das um jeden Preis Saloppe und Beiläufige punktet, sondern die gekonnte Komposition eines Modebildes.
- Wer sich der Perfektion des reduzierten Outfits verweigern will, kann sich immer noch als Freak inszenieren: mit abgewetzter Lederjacke, Zottelbart, abgeschnittenen Jeans und Hippie-Attitüde.
Focussed
Streng, klar, grafisch, reduziert, skandinavische Einflüsse. Die Garderobe besteht aus präzise gearbeiteten Stücken, wie sie auch eine Coco Chanel heute tragen würde.
Key Elements Damen:
- konsequent abgeräumte Formen
- Schmale Grundsilhouetten
- Sportiv-androgyne Elemente
- Natürliche, leicht überschnittene Schultern
- Schmale, leicht konische Hosen, verkürzte Länge
- Neue Revers- und Kragenlösungen
- Grafische Hell-Dunkel-Kontraste
- Dark Elegance
- Matt/Glanz-Effekte
- Gepflegter, glatter Mantel
- 2-Knopf-Anzug mit konturierter Schulter
- Feinstrick-Rollis
- Schmale Krawatten
- Ringe, Manschetten, Gürtel
Charmed / Established
Moderne, selbstbewusste, subtile Interpretation von modischer Eleganz und Sexappeal.
Key Elements Damen:
- Neu interpretierte klassische Formen und Detail
- Schneiderhandwerkliche Verarbeitung
- Akzentuierte Schultern, um die Taille zu betonen
- Schwingende Tellerröcke, dazu kurze Sweater oder Militärjacken
- Cashmere-Mäntel
- Smart Trench
- Retro-Anzüge und –Blazer mit breitem Revers und Sportsteppung
- Verkürzte Umschlaghosen
- Reichere Hemden, vollere Kragen
- Strickwesten
- Breitere Krawatten
- Handschuhe, kleine Hüte
Enriched
Das Leben - ein Fest. Dekoration, Barock, Pomp – Bühne frei für Opulenz.
Key Elements Damen:
- so viel Dekoration wie möglich
- Samt, Brokat, Gold
- Dandy-Style
- Scharfe Schnitte, betonte Schultern
- Schmale Hosentypen
- Stilbruch!
- Gebrochene Eleganz
- Redingotes
- Abendanzüge
- 3-teilige Anzüge
- Seidenhemden
- Ornamentale Drucke
- Seidenschals
- Spitze Ladykiller-Schuhe
- Schmuck
Enforced
College, Utility, Outdoor, Military verschmelzen zu einem neuen Funktionalismus. Wichtig sind solide Materialien, die Sicherheit verheißen.
Key Elements Damen:
- Army-Styles als Vorlage frü Farben, Formen, Details
- Schutz durch Lammfell, Leder, Wolle, verfilzte Jerseys
- Equipment-Details und –Accessoires (Schnallen, Gurtbänder, Riegel)
- Voluminöse Oberteile, schmale Unterteile
- Kontrastreiche Kombinationen: sportiv-funktional zu ultra-feminin
- Militärmäntel
- Cabans
- Military-Tuche
- Lammfell
- Cottontwill für Chinohosen
- Camouflage-Drucke
- Vintage-Denim
- Jeanshemden
- Kapuzen
- Stiefel
- Fliegerbrillen
- Kernige Gürtel und Armbänder
- Nieten
Scouting
Jugendlich unschuldig, mutig im Geiste von Pfadfinder-Gründervater Robert Baden-Powell. Nordische Anmutung und kanadisches Outdoor-Flair wehen durch dieses Thema.
Key Elements Damen:
- Modernisierte Folk-Elemente
- Wolle und Protection-Materialien
- Lammfell für Outdoor und Accessoires
- Wattierungen, Patches
- Karos und Prints für feminine Blusen, Kleider, Röcke
- Cargo-Details an Hosen und Westen
- Intarsienmuster im Strick, ethnische Motive
- Daumnenjacken und -westen
- Skibekleidungs-Elemente
- Karowolle für kanadische Jacken
- Navajo-Motive in Jacquardwolle und Strick
- Arbeitshosen
- Overshirts
- Sportliche Karos
- Twillhemden
- Buttondown
- Trapperschuhe
- Wollmützen
Genuine
Traditionelle Stoffe, bewährte Looks und keine Spur modisch. Vintagefeeling, kernige Karos, Flowerprints und Rustikalität – very british, stilvoll klassisch.
Key Elements Damen:
- Vintage-Materialien ohne destroyed-Effekte
- Spiel zwischen maskulin und feminin
- Einzelblazer und Westen
- Reiterhosen, neue Cargotypen
- Florale Kleider und Blusen
- Capes und Kutschermäntel
- Bergsteiger- und alpine Details
- Rustikaler Strick mit kleinen Musterungen
- Gewaschenes Used-Leder
- Dufflecoats
- Cord, Velvet
- Gewaschene Wolle, Tweed
- Strickjacken
- Patch- und Flickdetails
- Traditionelle Wanderschuhe
- Schiebermützen
- Wollhandschuhe
Linked
Auftritt Computernerd! Der besessene Style-Blogger und Bildschirmfreak ist eine der wichtigsten menschlichen Neuentwicklungen der vergangneen 30 Jahre. Ohne sie gäbe es keine digitale Revolution. Ihr Look: vom Flohmarkt und aus dem Kleiderschrank zusammengeklaubte Teile, voller Brüche, aber selbstironisch und humorvoll kombiniert.
Key Elements Damen:
- Fashion-Collagen
- Reicher Material- und Mustermix
- Bikerjacken zu Volantröcken
- Sportive Blousons zu Anzughosen
- Bikerhosen zu Strick
- Flache Schuhe, markante Strümpfe
- Verkürzte Hosensäume
Key Elements Herren:
- Sakkokombi
- Karosakkos
- Sportsakko
- Körpernahe Silhouette
- Gemusterte Hemden
- Pullunder, Westen
- Fliegen
- Wildleder-„Clarks“
- Gemusterte Hüte
Informationen: DMI – Deutsches Modeinstitut, Holzgasse 7-11, 50676 Köln. Fon: 0221 883026. E-Mail: info@deutschesmodeinstitut.de, www.deutschesmodeinstitut.de
